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Rezensionen und Konzertbesprechungen

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CD-Rezension

Marc Brenken Trio: It Could Happen to You

An Klaviertrios im Jazz war in den letzten Jahren wahrlich kein Mangel, aber trotz all dieser Konkurrenz lassen schon die ersten Takte dieser CD aufhorchen. Das Trio agiert feinfühlig und differenziert, die Musiker hören einander zu, die exzellente Tontechnik positioniert die Instrumente wohlklingend im Raum, ohne den Gruppenklang zu beeinträchtigen. „Durch den Regen fahren“ heißt diese Eigenkomposition Brenkens, eine von acht, die sein großes Ausdrucksspektrum als Komponist aufzeigen. Nur der Titelsong ist ein Standard, den das Trio mit häufigen Rhythmuswechseln spannend gestaltet. In „J & M“ demonstriert Pianist Marc Brenken sein Bluesfeeling, vorangetrieben und abwechslungsreich akzentuiert von Schlagzeuger Marcus Rieck. Die Ballade „End of a Day“ wird impressionistisch ausgetupft und zeigt, wie treffsicher und hochmusikalisch Alex Morsey seine sonoren Baß-Kontrapunkte setzt. „Erbse im Holzhaufen“ swingt genüßlich in mittlerem Tempo mit Morseys Walking Bass und seiner kurzen Gesangseinlage à la Slam Stewart, bevor die CD mit „Rainy Day“ balladesk ausklingt. Diese Musik belohnt mehrfaches Anhören mit der Entdeckung immer neuer Facetten. Sehr empfehlenswert!

Hans-Bernd Kittlaus, Jazz Podium, 19.07.2009


Erster Jazzpreis Ruhr für das Marc Brenken – Christian Kappe Quartett

Das Publikum war gefragt im Dortmunder domicil, um die Rangfolge der Finalisten zu bestimmen. Und da es hier um keine Castingshow, sondern den Ersten Jazzpreis Ruhr ging, war schon mal ein gemeinsames Merkmal gegeben: künstlerische Qualität – und die ist sattsam vorhanden bei den Musikern und Bands zwischen Essen, Dortmund, Bochum und co.

Und dass dies auch nach außen dringt und nicht nur in Clubs und Kellern gedeiht, dafür sorgt das Jazzwerk Ruhr, jener von Nadin Deventer betreute und vom Land NRW unterstützte Verbund, der nun mit einem neuen und auch schon im ersten Anlauf vielbeachteten Wettbewerb für mehr Außenwirkung der Jazzkultur sorgen will.

Über 50 Bewerber hatten es der Profijury im Vorfeld nicht leicht gemacht, die letztendlichen Top-Favoriten zu ermitteln. Nach Mitternacht war es endlich soweit: Das Publikum durfte Stimmzettel in die Wahlurnen werfen. Die Auszählung stand wenig später und bestätigte ein Eindruck der Konzerte, wo sich die Top 3 nochmal richtig ins Zeug gelegt hatten.

Jubel für den ersten Preis herrschte kurz darauf beim Quartett um den Pianisten Marc Brenken und den Trompeter Christian Kappe. Diese Musiker legten die Messlatte eine deutliche Stufe höher, da hier so viele gewachsene und bestens erprobte Qualitäten aufs lebendigste zusammen finden. Die Kompositionen sind meist aus Marc Brenkens Feder und huldigen einer beredten Jazz-Sprache, die sich der Oscar-Peterson-Fan langjährig erarbeitet hat. Viel persönliche Intimität und ein starkes Gespür für das Melodiöse ist hier ständig präsent. Und Marc Brenken, Piano, Christian Kappe, Trompete/Flügelhorn, Alex Morsey, Bass sowie Marcus Rieck am Schlagzeug wissen, wie man Sound macht, Farben kreiert und dabei auf so ansteckende Weise entspannt bleibt.

Der zweiten Platz beansprucht das Klaviertrio Invisible Change. Drei junge Musiker huldigen dem Genre des klassischen Modern-Jazz Klaviertrios – zeitgemäß und zeitlos zugleich sind die drei sehr hellhörig für Ideen und verarbeiten sie entsprechend temporeich. Die sprühend reaktionsschnelle Pianistik von Oliver Maas ist dabei beeindruckend genug, dass er so viel optische Theatralik beim Spiel eigentlich gar nicht nötig hätte.

Platz drei ging ans Zodiak Trio aus Essen. Da punkten drei junge Instrumental-Berserker mit ihrer reibungsvollen Konfrontation aus Jazz- und Rockelementen. Aufregende Momente und satte Sound-Fusionen gibt es hier allemal – etwa wenn feurige Bebop-Phrasen seitens des Trompeters John Dennis Renken auf Andreas Wahls harsche Saitenkrobatik auf der E-Gitarre prallen, derweil Schlagzeuger Bernd Oezsevim filigrane Mikrorhythmik und brachiale Rock-Grooves und intensiv zu verbinden weiß. Bitte unbedingt weiter ausbauen!

Stefan Pieper, JazzZeitung / Neue Musikzeitung, 11.12.2011


Fesselnde Kurzgeschichten am Klavier

Die übersichtliche Jazz-Formation des Klavier-Trios erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Dies gilt auch für den begabten Nachwuchs aus der heimatlichen Provinz. Spätestens seitdem der aus Norddeutschland stammende, aber jetzt in Essen lebende Pianist Marc Brenken 2006 seine erste CD „Eight Short Stories“ aufgenommen hat, ist der 41-jährige kreative Tastenzauberer in der Jazz-Szene kein Geheimtipp mehr. Im letzten Konzert von Eckart Presslers Säulen-Jazz-Reihe vor der Sommerpause war der als Komponist ideenreiche Pianist und Gewinner des Ersten Jazzpreises Ruhr mit dem Bassisten Alex Morsey und dem Schlagzeuger Marcus Rieck live zu erleben.

Der stilistisch von Richie Beirach beeinflusste Marc Brenken, der immerhin an der Musik des Kino-Klassikers „Sonnenallee“ beteiligt war, eröffnete den mit Jimmy van Heusens Ballade „It Could Happen to You“ betitelten Abend mit feinfühligen und leichthändigen neo-romantischen Klanggebilden, die dann rhythmisch zusehends rasanter wurden. Dazu gehörten auch freiere Elemente mit gestrichenem Bass und Percussion auf dem Klavier. Der passende Titel des Songs: „Durch den Regen fahren“.

Der Pianist und seine Mannen ließen dann mit „Erbse im Holzhaufen“ einen lässigen Swing folgen, der an „Autumn in New York“ angelehnt ist. Alex Morsey bereicherte das muntere Triospiel mit sonoren Basstönen und lockerem Scat-Gesang. Mit „Lauf der Zeit“ lud Brenken mit sensiblem Anschlag zart und impressionistisch zum Träumen ein, ohne dabei dank filigraner Rhythmus-Arbeit seiner Kollegen die Bodenhaftung zu verlieren.

„Raus aus dem Bett“ lautet der Titel einer weiteren Eigenkomposition des begabten Stückeschreibers Brenken, der diesen Aufruf mit Tempo und Tastenkunst kraftvoll und energisch unterstreicht. Sehr bluesig und mit leicht verschlepptem Rhythmus kam dann „J & M“ daher. Alle Kompositionen dieses großartigen Trios folgen einem intelligenten und tief in der Tradition des Jazz ruhenden Muster, das diese gehaltvolle Musik nie beliebig werden lässt. Ganz viel Beifall für das Trio von Marc Brenken.

Thomas Becker, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 17.06.2016


 Marc Brenken – Christian Kappe Quartett:  More Short Stories

CD der Woche bei WDR 3 „Resonanzen“

Marc Brenken ist Pianist, er lebt in Essen und hat dort an der Folkwang-Universität der Künste studiert. Zusammen mit dem Kölner Trompeter Christian Kappe unterhält er ein Quartett, das über die Region hinaus bekannt ist und 2011 mit dem Ersten Jazzpreis Ruhr ausgezeichnet wurde.

Was den Charme dieses Quartetts ausmacht, sind die fast bildhaften Songs: Dank der einfachen, aber dennoch prägnanten Motive ist man als Zuhörer immer wieder aufgefordert, akustisch „am Ball“ zu bleiben. Und man kommt dieser Forderung gerne nach, weil dadurch im Kopf kleine Geschichten entstehen. Nicht zufällig heißt die neue CD vom Marc Brenken – Christian Kappe Quartett „More Short Stories“.

ein Musiktipp von Jörg Heyd, WDR3, Sendung „Resonanzen“, 16.03.2015

 


 

 

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